So werden Sie Oberarzt

7 Mai, 2020 - 07:25
Kea Antes

Vom Assistenzarzt zum Facharzt, vom Facharzt zum Oberarzt – diesen Werdegang streben die meisten an, wenn sie sich für eine Karriere in der Klinik entscheiden. Prinzipiell können Sie als frisch gebackener Facharzt direkt eine Stelle als Oberarzt antreten. Viele arbeiten jedoch erst einmal mehrere Jahre auf dieser Position, um sich weiter zu spezialisieren und Erfahrungen zu sammeln. Denn der Aufstieg bedeutet ein hohes Maß an Verantwortung. Wir geben die wichtigsten Antworten rund um die Frage: Wie werde ich Oberarzt?

Die Position eines Oberarztes ist vergleichbar mit der eines Abteilungsleiters in einem Unternehmen: Als Führungskraft ist er zuständig für eine bestimmte Abteilung in einer Klinik oder einem Krankenhaus bzw. einem Bereich in einem medizinischen Versorgungszentrum und koordiniert und überwacht ihn. Hierarchisch siedelt sich der Oberarzt zwischen dem Fach- und Chefarzt an. Er ist dem ärztlichen Direktor und Chefarzt untergestellt und übernimmt die fachliche Aufsicht der Fachärzte. Außerdem agiert er gegenüber Assistenzärzten als Führungskraft und ist für deren Anleitung und Ausbildung zuständig.

Die Haupttätigkeit eines Oberarztes ist und bleibt jedoch die Versorgung der Patienten, wenn auch deutlich spezialisierter: Er führt komplexe Eingriffe und Operationen durch und diagnostiziert. Die Stationsarbeit übernehmen Assistenzärzte unter der Aufsicht von Oberärzten.

Gut zu wissen: Sofern nicht explizit vertraglich geregelt, muss ein Oberarzt keine geringwertigere Arbeit ausüben, etwa typische Assistenzarzttätigkeiten wie die Aufnahme von Patienten.

Fähigkeiten als Oberarzt – ein Überblick

Es gibt eine Voraussetzung, die Oberarztanwärter in jedem Fall erfüllen müssen: eine abgeschlossene Facharztausbildung und eine damit einhergehende Spezialisierung. Je nach Arbeitgeber können weitere Hardskills vorausgesetzt werden, etwa eine Habilitation. Oberärzte benötigen darüber hinaus jedoch auch eine Reihe an Softskills, um den Anforderungen gerecht zu werden. Dazu zählen Führungsqualitäten und Teamfähigkeit, ein hohes Verantwortungsbewusstsein, Belastbarkeit und Engagement sowie wirtschaftliches Denken.

In der Regel arbeiten Fachärzte einige Jahre in ihrem Bereich, um sich die umfangreichen Kompetenzen anzueignen und sich zu spezialisieren. Theoretisch ist es aber möglich, direkt nach erfolgreich absolvierter Facharztprüfung eine Stelle als Oberarzt anzutreten.

Schon gewusst? Auch (leitende) Oberärzte sind verpflichtet, Bereitschaftsdienste abzuleisten, wenn dies betrieblich bzw. dienstlich notwendig ist.

Leitender Oberarzt – das Plus an Verantwortung

Jede Abteilung hat einen Leitenden Oberarzt. Neben den bereits beschriebenen Aufgaben führt dieser eine weitere wichtige Funktion aus: Er vertritt offiziell den Chefarzt. Damit wächst auch die Verantwortung, Führungskompetenzen sind noch stärker gefragt. Der Leitende Oberarzt führt diese Aufgabe alleinig aus (es kann nicht zwei Leitende Oberärzte geben).

Besonderheit: Die Leitungsaufgabe kann vertraglich auch dauerhaft auf den Leitenden Oberarzt übertragen werden. Er kümmert sich dann um alle Personalangelegenheiten, schreibt Dienst- und Urlaubspläne und koordiniert Bereitschafts- und Rufbereitschaftsdienste.

Vergütung steigt mit zunehmender Verantwortung

Neben der Möglichkeit sehr spezialisiert zu arbeiten, streben viele Fachärzte auch wegen des steigenden Verdienstes eine Stelle als Oberarzt an. Dieser ist übrigens in der Regel tarifvertraglich geregelt – wie bei Assistenz- und Fachärzten auch. Wichtig: Allein die Bezeichnung Oberarzt geht nicht automatisch mit einer höheren Entgeltgruppe einher. Im Vertrag muss explizit festgehalten sein, dass die eigenverantwortliche Leitung eines Teil- oder Funktionsbereiches ausdrücklich vom Arbeitgeber auf den Oberarzt übertragen worden ist. Darüber hinaus können Verträge detaillierte Angaben zu den Aufgaben enthalten.

Wie viel verdienen Oberärzte konkret?

Laut TV-Ärzte Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) erhalten Oberärzte an Universitätskliniken aktuell die Entgeltgruppe Ä3, was im ersten Jahr 7.656,23 brutto pro Monat entspricht. An kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA)) liegt das Entgelt bei monatlich 7.609,09 brutto im ersten Jahr (Entgeltgruppe III, Stand April 2020). Darüber hinaus sind bei viele Arbeitgebern aber auch außertarifliche Verträge für Oberärzte möglich. Dann ist das Gehalt Verhandlungssache.

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