
Attraktive Menschen verdienen im Durchschnitt mehr Geld als weniger attraktive. Dies gilt auch dann, wenn sie in Berufen arbeiten, die für ihr Geschlecht untypisch sind. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Studie der Bergischen Universität Wuppertal.
Das Forscherteam um Studienleiter Prof. Dr. Reinhard Schunck fand heraus, dass attraktive Frauen und Männer durchschnittlich zwei bis fünf Prozent mehr je Stunde verdienen. Diese Effekte gelten auch, wenn Einflussfaktoren wie Alter, Bildung, Berufserfahrung, Arbeitszeit und Gesundheit berücksichtigt wurden. Darüber hinaus verdienen attraktive Frauen in männerdominierten Berufen oder attraktive Männer in frauendominierten Berufen nicht weniger – im Gegenteil: Die positive Wirkung von Attraktivität bleibt demnach stabil.
Aus Sicht der Forschenden widerspricht dies der verbreiteten Annahme, dass Attraktivität in einem für das jeweilige Geschlecht untypischen Beruf zum Nachteil werde. Dahinter stecke die Vermutung, dass attraktive Menschen als geschlechtstypisch wahrgenommen und ihnen entsprechende Merkmale zugeschrieben werden, die nicht zu gelernten Rollenmustern in der Arbeitswelt passen. Das Ausüben der für sie untypischen Tätigkeit würde ihnen nicht zugetraut.
Nach Einschätzung Schuncks belegt die Studie, dass körperliche Attraktivität auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine messbare ökonomische Dimension ist. „Schönheit mag oberflächlich erscheinen, doch sie kann reale Konsequenzen haben“, sagte er. „Gesellschaftliche Vorstellungen von Attraktivität können dauerhafte Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt erzeugen – selbst in einem stark regulierten Arbeitsmarkt wie dem deutschen.“ Diese Ergebnisse würden die Notwendigkeit unterstreichen, das Zusammenspiel von körperlichem Erscheinungsbild, Geschlechtsnormen und Arbeitsmarktergebnissen weiter zu erforschen. Die Studie ist in der Fachzeitschrift European Sociological Review erschienen (DOI: 10.1093/esr/jcaf008).
Dtsch Arztebl 2026; 123(3): [4]


