Wie digitale Systeme Klinikärzte entlasten sollen

4 Januar, 2022 - 07:28
Dr. Sabine Glöser
Ärztin sitzt vor Bildschirmen mit medizinischen Informationen

Forschende am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA haben ein Projekt gestartet, um Routinearbeiten im Klinikalltag zu digitalisieren und zu automatisieren. In einem ersten Schritt wollen sie zusammen mit Ärztinnen und Ärzten des Universitätsklinikums Mannheim ein System für die Anamnese und Vitaldatenerfassung entwickeln, das die Patientenaufnahme digitalisieren und die Anwesenheit von Ärztinnen und Ärzten entbehrlich machen soll.

„Von den vielen möglichen Einstiegspunkten eignet sich die medizinische Patientenaufnahme am besten“, sagte Dr. Jens Langejürgen, Abteilungsleiter für Klinische Gesundheitstechnologien am Fraunhofer IPA und Leiter des Projektes „Test- und Entwicklungszentrum für digitale Patientenaufnahme-Systeme“ (TEDIAS). Viele Folgeprozesse würden auf die dort gesammelten Informationen zurückgreifen, sodass man dort beginnen müsse, das Klinikpersonal konsequent und nachhaltig zu entlasten.

Im Zentrum des neuen Systems steht eine Sensorik mit einem Avatar, der die Patienten befragt. Geplant sind integrierte IR-Kameras zum Messen der Körpertemperatur, Sensoren zur Bestimmung der Herz- und Atemfrequenz, Mikrofone zum Aufzeichnen der Atemgeräusche oder der Stimme. Die Ergebnisse dieser digitalen Erstuntersuchung werden dem Arzt, der den Patienten kurz darauf empfängt, direkt auf den Monitor gespielt. Dafür muss das System an die Krankenhaussysteme angebunden werden.

Das erste Reallabor soll am Universitätsklinikum Mannheim in diesem Jahr in Betrieb gehen. Erprobt wird die neue Technik in der neurologischen Notaufnahme und der Inneren Medizin. Ausschlaggebend sei, dass neben Ärzten und Pflegenden letztlich auch die Patienten den Einsatz eines solchen Systems in der Klinik akzeptieren, sagte Langejürgen. Mit der automatisierten Erstuntersuchung beginnt für ihn eine langfristige Entwicklung. „Wir schaffen eine Basis, auf der wir aufbauen und nach und nach ein digitales Krankenhaus entwickeln können.“

Dtsch Arztebl 2022; 119(1-2): [4]

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