
Rettungskräfte sind eher bereit, bei psychischen Belastungen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn sie zuvor digitale Unterstützungsangebote genutzt haben. Das zumindest ergab eine Pilotstudie des Forschungszentrums der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. An der Studie nahmen 265 Rettungskräfte aus Deutschland teil, die über einen Zeitraum von zwölf Wochen begleitet wurden.
Die Forschenden untersuchten, wie sich die Nutzung eines speziell für Mitarbeitende im Rettungsdienst entwickelten digitalen Angebots auf Einstellungen und Erfahrungen der Mitarbeitenden auswirkt. Das Angebot umfasste ein anonymes Onlineforum, in dem sich die Teilnehmenden mit Kolleginnen und Kollegen austauschen konnten. Zugleich konnten sie eine Plattform nutzen, die Informationen zu psychischer Gesundheit, Stressbewältigung und Hilfsangeboten bereitstellte.
Den Ergebnissen zufolge standen die Teilnehmenden professioneller psychologischer Unterstützung deutlich offener gegenüber, nachdem sie das digitale Angebot vier Wochen lang genutzt hatten. Diese Veränderung hielt während des gesamten Untersuchungszeitraums an. Unterschiede gab es zwischen Männern und Frauen, was die Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen betraf. So berichteten Frauen zu Beginn häufiger, andere aktiv sozial unterstützt zu haben. Keine Veränderungen zeigten sich hingegen beim Wissen über Depressionen, wahrgenommenem sozialem Rückhalt oder Einstellungen gegenüber Menschen mit Depressionen.
Aus Sicht der Forschenden sind niedrigschwellige, berufsgruppenspezifische Angebote für die psychische Gesundheit eine wichtige Ergänzung bestehender Unterstützungsstrukturen. „Gerade in Berufen mit hoher psychischer Belastung ist es wichtig, dass Menschen Unterstützung frühzeitig in Anspruch nehmen können“, sagte Studienautorin Dr. Hanna Reich. Jetzt seien weitere Untersuchungen nötig, um die langfristigen Wirkungen dieser Angebote besser zu verstehen.
Dtsch Arztebl 2026; 123(17): [4]



