Facharzt-Weiterbildung Thoraxchirurgie: Dauer, Inhalte, Berufsperspektiven

2 Juni, 2020 - 07:28
Stefanie Hanke
Auch, wenn die Medizin immer weiblicher wird: In der Thoraxchirurgie sind Männer nach wie vor in der Mehrzahl.

Bei der Thoraxchirurgie liegt der Schwerpunkt auf der operativen Behandlung der Brustorgane. Was genau die Aufgaben von Fachärzten und Fachärztinnen für Thoraxchirurgie sind und wie die Weiterbildung aufgebaut ist, erfahren Sie im Beitrag.
 


Auf einen Blick: Facharzt-Weiterbildung Thoraxchirurgie

  • Definition: Das Fachgebiet der Thoraxchirurgie beschäftigt sich mit chirurgisch zu versorgenden Erkrankungen, Verletzungen und Fehlbildungen im Bereich des Brustraums. Dazu gehört das Brustfell (Pleura), die Lunge, die Luftröhre und die Bronchien, das Zwerchfell und die Thoraxwand.
  • Dauer: Die Facharzt-Weiterbildung in der Thoraxchirurgie dauert 72 Monate. Davon müssen 48 Monate in der Thoraxchirurgie und jeweils 6 Monate in der Notfallaufnahme und in der Intensivmedizin abgeleistet werden. 12 Monate können in anderen Fachgebieten erfolgen.
  • Anzahl der Fachärzte: In Deutschland gibt es 385 Fachärzte für Thoraxchirurgie. Davon sind 370 berufstätig. Nur 7 davon arbeiten ambulant, 351 stationär in einer Klinik.
     

Das Wort "Thorax" stammt aus dem Altgriechischen und bezeichnet den Brustkorb. Damit ist schon grob abgesteckt, womit sich Thoraxchirurgen beschäftigen: Nämlich mit der Diagnostik und chirurgischen Therapie von Organen, die im Brustbereich liegen. Dazu gehören alle Erkrankungen der Lunge, des Brustmittelraums (Mediastinum), des Brustfells (Pleura), des Zwerchfells (Diaphragma), der Luftröhre (Trachea) sowie des Brustkorbs selbst. Das Herz und die Hauptschlagader allerdings gehören nicht in diesen Bereich, sondern zum Fachgebiet der Herzchirurgie. 

Fachärztinnen und Fachärzte für Thoraxchirurgie operieren vor allem onkologische Erkrankungen. Ein Schwerpunkt liegt hier bei der Behandlung von Patienten mit Lungenkarzinom. Dabei arbeiten Thoraxchirurgen interdisziplinär eng mit Ärzten anderer Fachrichtungen, wie beispielsweise Pneumologen, und Onkologen zusammen.

Da es durch die moderne Bildgebung möglich geworden ist, Lungenkrebs auch schon in einem Frühstadium zu diagnostizieren, können Ärzte auch immer kleinere Tumore erkennen und operieren. Wie auch in anderen Fachgebieten kommen auch bei der Thoraxchirurgie immer häufiger minimalinvasive Methoden zum Einsatz. Seit den 1990-Jahren gehört beispielsweise die Video-assistierte Thorakoskopie (VATS) zum Spektrum des Fachs und gilt inzwischen als Standard.

Wie auch in den anderen chirurgischen Fachgebieten besteht die Facharzt-Weiterbildung im Bereich Thoraxchirurgie in den ersten beiden Jahren aus dem so genannten "Common Trunk". Hier lernen Assistenzärztinnen und Assistenzärzte zunächst die basischirurgischen Grundlagen: Es werden akute Notfälle erkannt und behandelt, einschließlich lebensrettender Maßnahmen. Chirurgische Erkrankungen und Verletzungen werden klassifiziert und diagnostiziert sowie Prinzipien der perioperativen Diagnostik und Therapie behandelt. Die vierjährige Spezialisierung in der Thoraxchirurgie folgt dann im zweiten Teil der Weiterbildung.

Insgesamt arbeiten in Deutschland 370 Thoraxchirurgen und Thoraxchirurginnen. Dabei gilt auch hier wie in anderen chirurgischen Fächern: In diesem Fachgebiet arbeiten immer noch überwiegend Männer. Dabei sind die meisten von ihnen in einer Klinik angestellt. Einige wenige Thoraxchirurgen arbeiten in einem MVZ oder sind Sanitärsoffiziere bei der Bundeswehr.

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Die Weiterbildung Thoraxchirurgie im Überblick

Die Dauer der Weiterbildung

72 Monate im Gebiet Chirurgie unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon

  • müssen 48 Monate in Thoraxchirurgie abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden
  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen

Die Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte im Gebiet Chirurgie

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung

Lokalanästhesie und Schmerztherapie

  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • Abklärung peri- und postoperativer Schmerzzustände
  • Diagnostik und Therapie nach dokumentierten Schmerztherapieplänen
  • Behandlung von Patienten mit komplexen Schmerzzuständen
  • Injektionen und Punktionen

Notfall- und Intensivmedizin

  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
  • Indikationsstellung zur Notfall-Laparotomie und Thorakotomie
  • Überwachung, Monitoring, Dokumentation und Betreuung von intensivmedizinischen Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
  • Pharmakologie der Herz-Kreislauf-Unterstützung
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Zentralvenöse Zugänge (Richtzahl: 20)
  • Arterielle Kanülierung und Punktionen
  • Thorax-Drainage
  • Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

Spezifische Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Thoraxchirurgie

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Thoraxchirurgie

  • Stellenwert diagnostischer, endoskopischer und offener operativer Verfahren
  • Prinzipien der Lungentransplantation einschließlich Organspende, Organentnahme und Betreuung Lungentransplantierter
  • Indikationsstellung und Überwachung physiotherapeutischer Maßnahmen
  • Raucherberatung
  • Strukturierte Raucherentwöhnung
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung

Thoraxchirurgische Notfälle

  • Trachealverletzungen
  • Ösophagobronchiale und tracheoarterielle Fisteln
  • Diagnostik und Therapie von Pneumothorax, Hämothorax, Pleuraempyem, Serothorax, Hämoptysen/Hämoptoe, akuter Dyspnoe/Aspiration, Thoraxtrauma, insbesondere im Rahmen eines Polytraumas
  • Notfallthorakotomie/-sternotomie einschließlich Brustwandstabilisierung, video-assistierte thorakoskopische Verfahren (VATS) - Richtzahl: 20
  • Pleurapunktionen und Drainageeinlage (Richtzahl: 50)
  • Akutmaßnahmen bei pulmonaler Dekompensation
  • Dilatative und/oder chirurgische Tracheotomie (Richtzahl: 5)

Diagnostische Verfahren

  • Starre und flexible Tracheobronchoskopie (Richtzahl: 50)
  • Thorakoskopische (partielle) Pleurektomie (Richtzahl: 20)
  • Lymphknoten-Probeexzision und Lymphknoten-Entnahme (Richtzahl: 10)
  • Befundinterpretation von Bodyplethysmographie, Blutgasanalyse, 6-Minuten-Gehtest, Spiroergometrie
  • Sonographie des Thorax (Richtzahl: 100)
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der intraoperativen radiologischen Befundkontrolle
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren

Infektionen

  • Thorakale Infektionen
  • Dekortikation, offen oder thorakoskopisch (Richtzahl: 5)
  • Vakuumtherapie am Thorax (Richtzahl: 5)
  • Offene Eingriffe bei Infektionen am Weichgewebe und am knöchernen Thorax einschließlich Thoraxfensteranlage und Thorakoplastik (Richtzahl: 5)

Fehlbildungen

  • Offene und endoskopische Korrekturverfahren bei z. B. Pectus carinatum und Pectus excavatum, Lungensequestern, mediastinalen Zysten, Lobäremphysem

Funktionelle Störungen und Lungengerüsterkrankungen

  • Tracheobronchomalazie, Emphysem/Bullae, interstitielle Lungenerkrankungen, Zwerchfelldysfunktion, Zwerchfellparese, Zwerchfellhochstand, Hyperhidrosis
  • Lungenvolumenreduktion bei COPD
  • Diagnostische Keilresektion einschließlich Bullaresektion (Richtzahl: 10)
  • Thorakale Sympathektomie

Tumorerkrankungen

  • Benigne und maligne Tumorerkrankungen und Metastasen an Trachea, Lunge, Pleura, Thoraxwand, Diaphragma und Mediastinum
  • Paraneoplastische Syndrome
  • Grundlagen der Strahlentherapie
  • Portanlage (Richtzahl: 10)
  • Mediastinoskopie einschließlich videoassistierter mediastinoskopischer Lymphadenektomie (VAMLA) - Richtzahl: 10
  • Komplette ipsilaterale thorakale Lymphknoten-Dissektion (Richtzahl: 30)
  • Keilresektion (Richtzahl: 20)
  • Segmentektomie  (Richtzahl: 5)
  • Lobektomie einschließlich Pneumonektomie  (Richtzahl: 30)
  • Thorakoskopische Pleurodese  (Richtzahl: 15)
  • Erste Assistenz bei erweiterten Resektionen, z. B. Manschettenresektion, Resektion am Tracheobronchialbaum, am Gefäßsystem, Operation mit intraperikardialer Resektion  (Richtzahl: 10)
  • Perikard-/Zwerchfellresektion und Ersatz  (Richtzahl: 5)
  • Resektion mediastinaler Tumore einschließlich angrenzender Organe  (Richtzahl: 5)
  • Brustwandresektion und Rekonstruktion  (Richtzahl: 5)

Strahlenschutz

  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

Quellen: Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC), Musterweiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer, Ärztestatistik der Bundesärztekammer 2019.
 


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