Hochsauerlandkreis wirbt mit Imagefilm um Medizinerinnen und Mediziner

15 März, 2023 - 07:32
Miriam Mirza

Wie so viele ländliche Regionen hat auch der Hochsauerlandkreis mit dem Fachkräftemangel bei Ärztinnen und Ärzten zu kämpfen. Darum hat sich der Kreis etwas einfallen lassen und u. a. einen Imagefilm produziert, der die Vorzüge der Region ins rechte Licht setzen und Ärztinnen und Ärzten Lust auf die Arbeit im Hochsauerlandkreis machen soll. Das Video ist Teil einer ganzen Kampagne, die der Rekrutierung von Medizinerinnen und Mediziner dient.

Weil es immer schwieriger wird, Ärztinnen und Ärzte für die Arbeit in ländlichen Regionen zu begeistern, gehen viele Landkreise kreative Wege, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Städte Brilon, Medebach, Olsberg und Winterberg arbeiten in dem LEADER-Projekt „KommaufsLand.Arzt.“ gemeinsam daran, den Bedarf an Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern dauerhaft sicherzustellen und langfristig die hausärztliche Versorgung in der Region zu gewährleisten. Die Verantwortlichen wollen bereits Medizinstudierende für den Beruf als Landarzt bzw. Landärztin begeistern. Gleichzeitig gilt es, neue Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner zu gewinnen, die die bereits vorhandenen Praxen in der Region unterstützen, diese möglicherweise zukünftig übernehmen und sich niederlassen wollen.

Inhalte der Kampagne „KommaufsLand.Arzt.“

  • enge Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten vor Ort
  • Aufbau eines Netzwerkes verschiedener Akteure (z. B. andere kommunale Projekte, Hausärzteverband, Ärztekammer, KVWL, Südwestfalenagentur etc.)
  • Gründung eines Weiterbildungsverbundes mit aktuell zwei Krankenhäusern und neun Praxen. So können nun auch Weiterbildungsangebote in der heimischen Region gefunden werden (Weiterbildungszeit von fünf Jahren kann komplett in der Region absolviert werden)
  • Projektmitglieder sind erste Ansprechpartner für potenzielle Ärztinnen und Ärzte vor Ort: Lokale Kümmerer bzw. Betreuerinnen und Betreuer
    • vermitteln im Netzwerk
    • beraten und informieren
  • Angebot eines Partnerprogramms. Das beinhaltet Unterstützung bei der Suche nach:
    • Job für den Partner oder die Partnerin
    • Kitaplatz
    • Wohnung
    • Vereine
    • usw.
  • Social-Media-Marketing / Landingpage / Netzwerktreffen / Messebeteiligungen / Imagefilm / Auftaktveranstaltung
  • LOCAL HERO (Kooperation mit der Uni Witten-Herdecke – sechs Studierende kommen jährlich bis zum 10. Semester nach Brilon und Olsberg und absolvieren in den Praxen ihre Praktika)

Imagefilm als ein Baustein der Kampagne

Der Imagefilm ist ein wichtiger Baustein der Kampagne. Die Idee dahinter ist eigentlich einfach, erklärt Bianca Funke, Stadt Brilon: “Es kann immer viel über das Leben und Arbeiten im Hochsauerland erzählt und geschrieben werden, aber wirklich vorstellen kann man es sich immer besser, wenn man die Möglichkeiten in der Region mit den eigenen Augen sieht. Es bestehen oftmals viele Vorurteile gegenüber dem ländlichen Raum: ‚Da ist ja nichts los‘ oder ähnliche Sätze bekommt man oft zu hören. Der Imagefilm soll verdeutlichen, dass hier sehr wohl ‚etwas los ist‘ und das Leben auf dem Land auch viele Vorteile bietet. Beispielsweise Dinge wie gutes Miteinander, große Hilfsbereitschaft, Familienfreundlichkeit, einerseits, Ruhe und Entspannung in der Natur und andererseits zahlreiche Veranstaltungen – wie im Film gezeigt – der Briloner Musiksommer und viele Freizeitangebote zu jeder Jahreszeit.“

Bei der Konzeptionierung des Videos legten die Verantwortlichen Wert darauf, einen modernen Einblick in das Leben als Landarzt und Landärztin zu geben. Zwei unterschiedliche Zielgruppen (Familien mit Kindern und erwachsene Paare) zeigen einen typischen Tagesablauf, der eine Kombination aus Work-Life Balance, Naturverbundenheit und Abenteuer beinhaltet. „Durch die Kampagne wird die Region als attraktiver und vielseitiger Lebens- und Arbeitsstandort hervorgehoben“; sagt Funke. Sie berichtet, dass er viel positives Feedback eingebracht hat.

Stipendium für Medizinstudierende

Der Hochsauerlandkreis engagiert sich seit vielen Jahren in der Gewinnung von Medizinerinnen und Medizinern für die Region – und setzt dabei schon früh an: Seit 2012 vergibt der Kreis das „Medizinstipendium Hochsauerlandkreis“. Pro Jahr erhalten bis zu fünf Studierende der Medizin ein Stipendium in Höhe von 500 Euro monatlich. Im Gegenzug verpflichten sich diese dazu, nach Erhalt der Approbation mindestens für den Zeitraum, über den sie finanziell gefördert wurden, im Hochsauerlandkreis ärztlich tätig zu werden. „Erfreulicherweise absolvieren viele jedoch ihre komplette Facharztweiterbildung im Kreisgebiet und bleiben im Idealfall im Hochsauerlandkreis kleben“, so Frank Kleine-Nathland, beim Hochsauerlandkreis Ansprechpartner für das Thema Medizinstipendium.

Das Stipendium kommt gut an. So wurden in den letzten zehn Jahren insgesamt 54 Stipendien vergeben. Derzeit sind 24 ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten in Krankenhäusern und Praxen im Hochsauerlandkreis tätig. Fünf weitere werden voraussichtlich in diesem Jahr hinzukommen.

Es gibt kein Patentrezept, um ärztliches Personal für ländliche Regionen zu gewinnen. Doch der Ansatz, den der Hochsauerlandkreis verfolgt, nämlich ein Konzept mit vielen einzelnen Bausteinen, ein bisschen Kreativität und einer guten Kooperation zwischen Kreis, Universitäten, Praxen und Krankenhäusern scheint erfolgversprechend.

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