Hybride Tagesklinik in der Psychosomatik – ein Modell für die Zukunft

13 August, 2025 - 07:13
Miriam Mirza
CuraMed Kliniken

Psychosomatische und psychiatrische Erkrankungen erfordern oft intensive therapeutische Begleitung – doch für viele Menschen mit anspruchsvollen Lebensrealitäten, wie selbstständig Arbeitende oder alleinerziehende Eltern, sind klassische Therapieformen kaum umsetzbar. Die hybride Tagesklinik der CuraMed Kliniken in Neu-Ulm bietet ein innovatives Modell, das Präsenz- und digitale Therapie flexibel kombiniert und so eine passgenaue Behandlung ermöglicht, ohne den Alltag komplett unterbrechen zu müssen.

Stellen wir uns vor: Eine selbstständig arbeitende Mutter, die allein für ihr Kind sorgt, jongliert zwischen Kundenterminen, Deadlines und Elternabenden. Sie trägt Verantwortung für Familie und Beruf, eine längere Auszeit für eine stationäre Behandlung ist schlicht nicht machbar. Genau für solche Situationen hat die CuraMed Klinik in Neu-Ulm ein innovatives, hybrides Modell entwickelt. Drei Tage pro Woche Präsenz in der Tagesklinik und zwei Tage flexible digitale Therapie von zu Hause aus, eng angebunden an ein multidisziplinäres Team und abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten.

Was für viele Patientinnen und Patienten gilt, betrifft natürlich auch das pflegende Angehörige. Diese haben selten das Gefühl, einfach aussteigen zu können, selbst wenn Unterstützung dringend nötig wäre. Die hybride Tagesklinik bietet erstmals die Möglichkeit, intensive psychosomatische Behandlung in den Alltag zu integrieren und punktet dabei auch aus Arbeitgebersicht mit Innovationsgeist.

Ein flexibles Angebot für eine starre Realität

„Viele Menschen mit seelischen Erkrankungen bräuchten mehr als eine ambulante Behandlung, aber eine klassische Tagesklinik ist für sie schlicht nicht machbar“, sagt Dr. Franziska van Hall, Ärztliche Direktorin der CuraMed Kliniken. Besonders betroffen sind pflegende Angehörige, Eltern kleiner Kinder, Selbstständige sowie Studierende. Für sie kann eine fünftägige Präsenztherapie existenzbedrohend oder organisatorisch unmöglich sein.

Die Inhalte der hybriden Tagesklinik sind eng mit den Präsenzveranstaltungen verzahnt und reichen von telemedizinischen Therapiegesprächen über Bewegungs- und Kreativangebote bis hin zu Entspannungsverfahren und edukativen Elementen. Die digitale Plattform Minddistrict gewährleistet Datensicherheit und bietet die Möglichkeit, eigens produzierten Content hochzuladen. Wichtig ist van Hall die Kontinuität in der Therapie: „Wir wollten keine isolierten Online-Module, sondern eine digital abgebildete Version unserer Präsenzarbeit mit Wiedererkennung und therapeutischer Passung.“

Das strukturierte Tageskonzept sorgt dafür, dass digitale Therapie nicht zur beliebigen Selbstverantwortung führt. Begrüßung, Check-ins, Entspannungsübungen, Tagesmodule, Feedbackmöglichkeiten und jederzeit reale Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sind Teil des Ablaufs. So bleibt die therapeutische Beziehung erhalten, auch wenn Teile der Behandlung online stattfinden.

„Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“

„Unsere Aufgabe ist es, Angebote zu schaffen, die zu den Lebensrealitäten der Menschen passen“, findet van Hall. Besonders in helfenden Berufen ist die oft Hürde hoch, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die hybride Tagesklinik bietet einen niedrigschwelligen Zugang, ohne dass Menschen ihre Versorgungsaufgaben, Erwerbstätigkeit oder Ausbildung unterbrechen müssen. Nicht die Patientinnen und Patienten müssen sich dem System anpassen, sondern das System den Patientinnen und Patienten.

Auch international stößt das Konzept auf Interesse, etwa auf Kongressen in Amsterdam und Rotterdam, berichtet van Hall. In Deutschland ist die CuraMed Klinik in Neu-Ulm die erste psychosomatische Einrichtung mit einem hybriden tagesklinischen Angebot. Die nächste Ausbaustufe, die transsektorale Nachsorge, ist bereits in Planung. Die Idee: Patientinnen und Patienten sollen künftig nach stationärer Behandlung digital weiter begleitet werden, unabhängig von Wohnort oder Klinikbindung.

Die Vorteile liegen auf der Hand: „Gerade in ländlichen Regionen fehlt es an Versorgungsangeboten“, so van Hall. „Hybride Modelle können hier Versorgungslücken schließen und Patientinnen und Patienten dabei helfen, Therapieerfolge im Alltag zu verankern.“ Dieser Schritt ist bekanntlich besonders herausfordernd für Betroffene. Eine gute Nachsorge kann dabei effektiv unterstützen und letztlich Rückfälle vermeiden helfen.

Warum sind hybride Tageskliniken gerade in ländlichen Regionen wichtig?

  • In ländlichen Gebieten ist der Zugang zu spezialisierten psychosomatischen Therapieangeboten oft eingeschränkt. Lange Anfahrtswege, fehlende Infrastruktur und ein Mangel an Fachpersonal erschweren die Versorgung.
  • Hybride Modelle, die Präsenz- und digitale Therapie kombinieren, ermöglichen Patientinnen und Patienten sowie medizinischem Personal mehr Flexibilität und Teilhabe, und das unabhängig vom Wohnort.
  • Digitale Therapieeinheiten reduzieren den Zeit- und Reiseaufwand, was insbesondere für Selbstständige, Eltern kleiner Kinder, pflegende Angehörige sowie Berufspendlerinnen und -pendler entscheidend ist.
  • Regionale Versorgungslücken können so geschlossen und die nachhaltige Integration von Therapieerfolgen in den Alltag gefördert werden.

Vorteile für die Region Neu-Ulm und Umgebung

  • Die hybride Tagesklinik der CuraMed Kliniken in Neu-Ulm ist ein Modellprojekt, das auch für andere Regionen als Blaupause dienen kann.
  • Patientinnen und Patienten aus dem ländlichen Raum profitieren von der Möglichkeit, wohnortnah und dennoch intensiv behandelt zu werden.
  • Das Angebot stärkt die medizinische Versorgung in der Region und macht Neu-Ulm zu einem Vorreiter für innovative, patientenzentrierte Gesundheitsversorgung.

Hybride Tageskliniken sind ein wichtiger Baustein für die Zukunft der psychosomatischen Versorgung – besonders in Regionen, in denen klassische Angebote an ihre Grenzen stoßen. Sie schaffen neue Zugänge, fördern Teilhabe und stärken die Resilienz des Gesundheitssystems vor Ort.

Attraktiv auch für das ärztliche Personal

Dass das Modell nicht nur Patientinnen und Patienten anspricht, sondern auch therapeutisches Fachpersonal überzeugt, zeigt sich an der Bewerberlage. „Ich hatte an keinem Standort so viele qualifizierte und motivierte Bewerbungen wie hier“, sagt van Hall. Das hybride Konzept ziehe vor allem jüngere Kolleginnen und Kollegen an, die sich für moderne, flexible Strukturen begeistern.

Auch für die Mitarbeitenden in der Klinik bedeutet das Modell in der Zukunft neue Spielräume. Zwar finden die digitalen Therapietage derzeit noch aus der Klinik heraus statt, doch perspektivisch ist auch Homeoffice denkbar, zum Beispiel für therapeutische Gespräche oder Dokumentation. Die nötige digitale Kompetenz wird beim Onboarding vermittelt; wer Fragen hat, findet Unterstützung. Wichtig sei eine grundsätzliche Offenheit und Affinität für digitale Arbeit, so van Hall. Aber, so ihr Argument, digitale Kompetenzen seien inzwischen grundsätzlich Teil des ärztlichen Arbeitsprofils. „Der Paradigmenwechsel in der Medizin ist längst im Gange – wer sagt, ich will mit Computern nichts zu tun haben, wird es schwer haben.“

Das Konzept hat perspektivisch auch eine strategische Komponente: Nämlich Fachkräftesicherung. Wenn gut ausgebildete Medizinerinnen und Mediziner wegen familiärer Verpflichtungen, Überarbeitung oder Pflegeverantwortung aus dem System ausscheiden, verliert das Gesundheitssystem dringend benötigte Kompetenz. Hybride Arbeits- und Therapiemodelle bieten die Chance, diesem Trend entgegenzuwirken, indem sie Arbeit und Versorgung neu denken, und das möglichst, ohne Qualität zu opfern.

Zwischen Komfortzone und Zukunftsmodell

Natürlich läuft auch im hybriden Setting nicht alles reibungslos. Technische Probleme, Rückfragen zur Nutzung, kleinere Bugs – das gehört dazu. „Aber es wächst mit der Praxis“, sagt van Hall. Die Rückmeldungen von Patientinnen, Patienten und Mitarbeitenden fließen kontinuierlich in die Weiterentwicklung ein. Wichtig sei, dass alle Beteiligten das Gefühl haben, mitgestalten zu können.

Die hybride Tagesklinik ist kein Ersatz für bestehende Modelle, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Sie eröffnet Menschen den Zugang zu Hilfe, die sonst außen vor bleiben würden. Und sie trägt dazu bei, das System widerstandsfähiger gegenüber Fachkräftemangel, Versorgungsengpässen und gesellschaftlichem Wandel zu machen. „Wir wollen nicht erst reagieren, wenn es zu spät ist“, sagt van Hall. „Wir wollen jetzt anfangen, gute Konzepte zu etablieren.“

Was macht das Modell besonders?

  • Kombination aus Präsenz- und digitaler Therapie: Drei Tage pro Woche finden die Behandlungen vor Ort in der Tagesklinik statt, zwei Tage erfolgen digital von zuhause aus. So wird intensive psychosomatische Therapie auch für Menschen mit anspruchsvollen Alltagsverpflichtungen möglich.
  • Individuelle Anpassung: Das Angebot richtet sich an Patientinnen und Patienten sowie an medizinisches Personal, die klassische Therapieformate nicht mit Beruf, Familie oder anderen Verpflichtungen vereinbaren können.
  • Multidisziplinäre Teams: Die Betreuung erfolgt durch ein erfahrenes Team aus Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten sowie weiteren Fachkräften, das eng zusammenarbeitet.
  • Verzahnung der Inhalte: Digitale und Präsenzmodule sind inhaltlich eng aufeinander abgestimmt, sodass eine kontinuierliche, hochwertige Behandlung gewährleistet ist.
  • Technische Unterstützung: Die digitale Plattform Minddistrict sorgt für sichere Kommunikation, digitale Therapieinhalte und einen strukturierten Tagesablauf mit festen Ansprechpersonen.
  • Niedrigschwelliger Zugang: Die hybride Struktur senkt Hürden, sich Hilfe zu holen, und ermöglicht auch in ländlichen Regionen oder bei eingeschränkter Mobilität eine hochwertige Versorgung.
  • Innovationsgeist: Das Modell ist ein Vorreiter für flexible, zukunftsorientierte Versorgungskonzepte in der psychosomatischen Medizin und wird kontinuierlich weiterentwickelt.

Das Konzept der CuraMed Kliniken verbindet intensive therapeutische Begleitung mit maximaler Alltagstauglichkeit und trägt so dazu bei, Versorgungslücken zu schließen, Teilhabe zu fördern und die psychische Gesundheit nachhaltig zu stärken.

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