
Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Dr. med. Sebastian Weber unseren Fragen. Er ist seit 1. Januar 2025 Leiter der Klinik für Innere Medizin und konservative Intensivmedizin am Marien Hospital Düsseldorf.
Herr Dr. Weber, eigentlich sind Sie Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie geworden?
Dr. Sebastian Weber: Für die Innere Medizin habe ich mich entschieden, da sie für mich Medizin in ihrer Urform mit unmittelbarem Patientenkontakt verkörpert. Damit haben fast alle ihre Berührungspunkte. Sie ist universell, aber dennoch speziell. Wir können mit unseren eigenen Sinnen und Fragen, aber auch mit High-Tech diagnostizieren. Die Begeisterung für die Gastroenterologie kam dann erst später. An ihr reizt mich insbesondere der immer mehr zunehmende, manuell-praktische Anspruch insbesondere der interventionellen Endoskopie. Dieses „Handwerk“ ist ein erwünschter Ausgleich zu den häufigen kopf- und wort-lastigen andersartigen Anforderungen des Fachs.
Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?
Dr. Sebastian Weber: Für mich sind das gute Miteinander und die gegenseitige Hilfe im Team, ein respektvoller und kollegialer Umgang und die offene und wertschätzende Kommunikation unabdingbar. Man kann sich mit Vielem arrangieren, doch diese Faktoren sind essenziell für langfristige Zufriedenheit.
Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?
Dr. Sebastian Weber: Der beste Rat war, zu machen, was mir Spaß macht und es gut zu machen! Das ist nachhaltig, führt zu Arbeitszufriedenheit und hat mich lange auf meinem Karriereweg begleitet.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Dr. Sebastian Weber: Eine wertschätzende, offene Kommunikation und ein empathischer, authentischer Umgang miteinander.
Was treibt Sie an?
Dr. Sebastian Weber: Am Start meiner Karriere hat mich vor allem der Wunsch angetrieben, nachhaltig zu helfen und medizinische Herausforderungen bestmöglich zu lösen. Mittlerweile finde ich auch zunehmend Gefallen daran, Arbeitsumgebungen und -voraussetzungen so zu organisieren und strukturieren, dass dies auch vielen anderen Kolleginnen und Kollegen besser gelingt. Wenn ich dann sehe, dass dies als Multiplikator gut und erfolgreich geklappt hat, bestärkt mich das und treibt mich weiter an.
Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?
Dr. Sebastian Weber: Albert Schweitzer war an meinem Gymnasium namensgebend. Er war mir daher zwar früh bekannt, doch erst später habe ich sein Lebenswerk in Gänze wahrgenommen. Sein medizinischer Versorgungseinsatz in Afrika, seine ethischen Grundprinzipien und seine moralische Integrität sind beispielhaft. Über einen Abend mit ihm würde ich mich sehr freuen. Ich hoffe, dass seine Rückfragen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten die Stimmung nicht allzu sehr vermiesen werden.
Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?
Dr. Sebastian Weber: Folgen Sie Ihren beruflichen Interessen und Neigungen, dann werden Sie auch erfolgreich sein. Nutzen Sie die ersten Jahre, um Routine in den grundlegenden Abläufen zu entwickeln: strukturierte Anamnese, präzise Diagnostik und das Setzen von Prioritäten. Fragen Sie erfahrene Kolleginnen und Kollegen um Rat. Niemand erwartet, dass Sie von Anfang an alles wissen. Und vor allem: Bleiben Sie neugierig und offen für neue Erkenntnisse, denn in der Medizin hört das Lernen nie auf.
Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?
Dr. Sebastian Weber: Als neuer Chefarzt in einer neuen Klinik ist eine gesunde Work-Life-Balance aktuell nicht immer gegeben. Mittelfristig bin ich als Chefarzt aber auch dafür da, Arbeitsstrukturen zu schaffen, die dies allen im Team ermöglichen. Ich versuche das durch eine gute Organisation, klare Abläufe und ein homogenes kompetentes Team mit klaren Vertretungsregeln zu erreichen. Doch für die Work-Life-Balance ist nicht allein die Menge an Freizeit, sondern vor allem die Qualität der Freizeit viel entscheidender. Ebenfalls kann die Arbeitszufriedenheit wesentlich in die gefühlte und angestrebte Balance einzahlen. Auch diese Zufriedenheit versuche ich stets zu erreichen.
Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?
Dr. Sebastian Weber: Eigentlich haben wir meiner Meinung nach ausreichend und extrem gutes medizinisches Personal in allen Bereichen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Wir müssten es nur noch besser schaffen, vor allem administrative Prozesse, gerne mit digitalen Tools, KI und Co, zu verschlanken und zu automatisieren, damit wir unsere Arbeitskraft wieder mehr den Patienten und Patientinnen widmen können. Ich muss noch einige Jahre arbeiten und hoffe dies noch mitzuerleben.
Wann sind Sie glücklich?
Dr. Sebastian Weber: Beruflich bin ich glücklich, wenn ich merke, dass mein persönlicher Einsatz einen positiven Unterschied macht. Mitunter kann dieser positive Effekt auch nur marginal sein. Wenn andere ihn aber dennoch bemerken und wahrnehmen, macht mich das glücklich und zufrieden.



