PD Dr. Döhnert: „Aus Krankenhäusern sind gewinnorientierte Gesundheitsfabriken geworden“

16 Dezember, 2021 - 14:27
Dr. Sabine Glöser
Köpfe und Karriere: PD Dr. med. Mirko Döhnert
PD Dr. med. Mirko Döhnert ist seit 1. September 2021 Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Halle (Saale).

Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich PD Dr. med. Mirko Döhnert unseren Fragen. Er ist seit 1. September 2021 Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Halle (Saale).

Herr Dr. Döhnert, warum eigentlich sind Sie Kinder- und Jugendpsychiater geworden?

PD Dr. Mirko Döhnert: Ich bin während meines Medizinstudiums auf einen Kinderpsychiater getroffen, der mir das Fach schmackhaft gemacht hat. Es handelt sich dabei um den heutigen Chefarzt der Klinik in Merseburg, Prof. Vulturius. Damals, Anfang der 90er Jahre, war er noch Assistenzarzt an der Uniklinik in Leipzig und hat in einer Lehrveranstaltung sehr fasziniert über seinen Beruf als Kinder- und Jugendpsychiater gesprochen.

Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?

PD Dr. Mirko Döhnert: Zeit!!! Ich mag es überhaupt nicht, unter Zeitdruck zu arbeiten, da dabei oft Fehler passieren und man den Blick für wichtige Details verliert.

Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?

PD Dr. Mirko Döhnert: Nichts ist unmöglich! Und trau Dich was! Auch wenn eine Herausforderung oder ein Problem riesig und unüberwindbar erscheint, kann man es doch häufig mit Geduld und Spucke lösen.

02.12.2022, Stadt Wolfsburg
Wolfsburg
02.12.2022, AMEOS Klinikum Eutin
Eutin

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

PD Dr. Mirko Döhnert: Kommunikation mit Witz und Verstand, einen Blick über den Horizont hinaus und eine gute Portion emotionale Zugewandtheit. Last but not least ist der Schmierstoff guter Kommunikation ja die gute Beziehung. Mitmenschen, die dafür offen sind und das auch wertschätzen, schätze ich am meisten.

Was treibt Sie an?

PD Dr. Mirko Döhnert: Geschichten von menschlichen Schicksalen und die Kraft des Teams und der emotionalen Verbundenheit. Die Geschichten, denen ich tagtäglich in meinem Beruf begegne, sind spannend, anrührend, schockierend und immer sehr individuell. Es ist ein Segen, mit einem funktionierenden Team ein kompliziertes Problem zu klären und einem Kind und seiner Familie wieder auf die Beine zu helfen.

Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?

PD Dr. Mirko Döhnert: Mit Barack Obama und Bruce Springsteen. Die beiden gestalten ja offenbar gerade einen gemeinsamen Podcast. Ich schätze ihr soziales Engagement, ihre Liebe für die Musik, ihre mitmenschliche Art. Sie sind für meine Begriffe ein Vorbild in diesen Zeiten, in denen man oft von diesem merkwürdigen Begriff der sogenannten toxischen Männlichkeit spricht.

Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?

PD Dr. Mirko Döhnert: Patientinnen und Patienten benötigen für den Heilungsprozess emotionale Zuwendung und nicht nur Medikamente und High Tech-Medizin. Soziale Fähigkeiten spielen leider eine untergeordnete Rolle bei der Zulassung zum Medizinstudium und eine gute Kommunikation mit unseren Patienten wird uns leider auch im Studium kaum beigebracht. Junge Ärztinnen und Ärzte sollten in den Ausbau dieser Fähigkeiten viel investieren.

Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?

PD Dr. Mirko Döhnert: Mit einer perfekten Mischung aus Arbeit, Familie, körperlichem Auspowern, kreativem Schaffen, Hängematte, Kochen, guter Musik und gutem Essen, inspirierenden Gesprächen mit zugewandten Mitmenschen.

Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?

PD Dr. Mirko Döhnert: Es geht zu viel ums Geld und zu wenig um Menschen. Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens seit den 90er Jahren hat der Medizin geschadet. Aus Krankenhäusern sind gewinnorientierte Gesundheitsfabriken geworden. Die Zeit für den Patienten wird immer weniger. Administrative, patientenferne, technisierte Prozesse nehmen ständig zu.

Wann sind Sie glücklich?

PD Dr. Mirko Döhnert: Im Beruf, wenn wir einem Kind und seiner Familie auf den Weg geholfen haben. Privat, wenn ich mit meiner Frau und meinen Kindern an einem lauen Sommerabend am Lagerfeuer sitze und wir über Gott und die Welt schwatzen.

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