
Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Prof. Dr. med. Antje Redlich unseren Fragen. Sie ist seit 1. Juni 2026 Klinikdirektorin der Universitätskinderklinik Magdeburg.
Frau Professorin Redlich, warum eigentlich haben Sie sich auf die Kinderonkologie spezialisiert?
Prof. Dr. Antje Redlich: Mich haben die Patientinnen und Patienten und ihre Familien beeindruckt: wie sie trotz schwerer Erkrankung ihren Optimismus bewahren und wie intensiv man sie über den Verlauf der Therapie kennenlernen und begleiten darf. Zugleich hat mich die Arbeit in einem interdisziplinären und interprofessionellen Team fasziniert, in dem alle gleichberechtigt zusammenarbeiten und alles daransetzen, die betroffenen Kinder dauerhaft zu heilen.
Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?
Prof. Dr. Antje Redlich: Ein Team, dem ich vertrauen kann – fachlich und menschlich. Außerdem ist für mich entscheidend, dass ich mitgestalten kann. Diese Möglichkeiten zu Innovation und modernem Denken möchte ich nun auch jungen Kolleginnen und Kollegen eröffnen: sie fordern, fördern und ihnen Raum geben, eigene Ideen umzusetzen.
Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?
Prof. Dr. Antje Redlich: Den einen besonderen Rat gab es nicht. Mir war immer wichtig, authentisch, uneitel und verlässlich zu bleiben. Ich habe klare Prinzipien und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Beides gibt mir Orientierung – gerade jetzt in der Führung der Universitätskinderklinik.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Prof. Dr. Antje Redlich: Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Authentizität. Ich schätze Menschen mit Ecken und Kanten, weil gerade diese Vielfalt ein Team bereichert. In meinem Team darf man auch einmal Schwäche zeigen. Das macht uns am Ende nicht schwächer, sondern stärker.
Was treibt Sie an?
Prof. Dr. Antje Redlich: Ich möchte die Versorgung von Kindern und Jugendlichen deutlich voranbringen. Das verstehe ich auch als Beitrag, den Herausforderungen sinkender Geburtenzahlen und veränderter Versorgungsbedarfe zu begegnen. Die demografische Entwicklung ist eine große Aufgabe. Wir wollen dazu mit innovativen Versorgungsmodellen beitragen.
Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?
Prof. Dr. Antje Redlich: Mit meiner Frau. Sie unterstützt mich immer und sorgt dafür, dass ich so viel für die Klinik tun kann.
Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?
Prof. Dr. Antje Redlich: Junge Kolleginnen und Kollegen sollten sich dem Fach widmen, das sie wirklich begeistert und erfüllt. Wir verbringen viel Zeit in unserem Beruf. Deshalb sollte es etwas sein, das man gern tut und in dem man Sinn findet.
Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?
Prof. Dr. Antje Redlich: Ich bin mir nicht sicher, ob mir das immer gut gelingt. Aber ich versuche, beim Arbeiten mit Holz oder beim Fahren mit dem Gravelbike abzuschalten.
Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?
Prof. Dr. Antje Redlich: Dem deutschen Gesundheitssystem mangelt es an Vertrauen in ärztliche Erfahrung, klinische Einschätzung und professionelle Verantwortung. Medizin ist heute oft defensiver geworden: Diagnosen werden zunehmend apparativ und formal abgesichert, nicht immer nur aus medizinischer Notwendigkeit, sondern auch aus Sorge vor Angreifbarkeit. Mehr Vertrauen in ärztliche Kompetenz würde die klinische Beurteilung wieder stärken, unnötige Diagnostik vermeiden und damit auch Kosten sparen. Gute Medizin braucht Standards und Technik, aber ebenso Erfahrung, Verantwortung und Vertrauen.
Wann sind Sie glücklich?
Prof. Dr. Antje Redlich: Ich bin glücklich mit meiner Familie und in einem Beruf, den ich als sehr sinnstiftend empfinde. Das Leben hat es gut mit mir gemeint – dafür bin ich dankbar und demütig.



