Prof. Dr. Hoffmann: „Gute Medizin für kranke Kinder ist immer eine Teamleistung“

24 Juli, 2025 - 08:28
Dr. Sabine Glöser
Köpfe und Karriere: Prof. Dr. med. Florian Hoffmann
Prof. Dr. med. Florian Hoffmann ist seit 1. April 2025 Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Dritter Orden in München-Nymphenburg.

Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Prof. Dr. med. Florian Hoffmann unseren Fragen. Er ist seit 1. April 2025 Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Dritter Orden in München-Nymphenburg.

Herr Professor Hoffmann, warum eigentlich sind Sie Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin geworden?

Prof. Dr. Florian Hoffmann: Kinder sind einfach so unglaublich ehrlich, direkt und stark – auch in schwierigen Situationen. Man muss ihnen auf Augenhöhe begegnen, darf dabei selbst aber immer Kind bleiben. Das macht unglaublich Spaß und hält jung.

Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?

Prof. Dr. Florian Hoffmann: Für unabdingbar halte ich ein engagiertes Team, auf das man sich blind verlassen kann, eine klare und ehrliche Kommunikation sowie Humor und Spaß bei der Arbeit. Gute Medizin für kranke Kinder ist immer eine Teamleistung – ohne gegenseitige Unterstützung geht gar nichts.

Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?

Prof. Dr. Florian Hoffmann: Bleibe authentisch und höre auf Dein Herz! Wenn es sich richtig anfühlt, dann mach es – dann kannst Du alles erreichen!

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Prof. Dr. Florian Hoffmann: Humor und die Fähigkeit, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und über sich lachen zu können. Wenn dann noch Empathie und Verlässlichkeit dazukommen, ist die Mischung unschlagbar!

Was treibt Sie an?

Prof. Dr. Florian Hoffmann: Mich treibt der Wunsch an, etwas zu bewirken – für Kinder, ihre Familien und auch für das Team. Ich glaube fest daran, dass Medizin nicht nur ein Beruf ist, sondern eine Haltung: Man bleibt neugierig, will Dinge verbessern und gibt nicht auf, auch wenn es mal kompliziert wird. Auch habe ich den leisen Traum, dass unsere Gesellschaft und das Gesundheitswesen doch irgendwann Kindermedizin und damit kranke Kinder in den Mittelpunkt stellen. Kinder sind unsere Zukunft und bedürfen deshalb unserer größten Aufmerksamkeit.

Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?

Prof. Dr. Florian Hoffmann: Aus aktuellem Anlass würde ich den Abend am liebsten mit Nina Warken, unserer neuen Gesundheitsministerin, verbringen, bei einem guten Glas Wasser und einem Salatblättchen (aus Spargründen!). Ich würde ihr gern vom maximalen Notstand der Kinderkliniken berichten, die fast alle hochdefizitär sind, und sie bitten, sich dieser politischen Verantwortung anzunehmen. Kinder haben das Recht auf eine Versorgung auf höchstem medizinischem Niveau!

Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?

Prof. Dr. Florian Hoffmann: Habt Geduld – mit Euch selbst und mit anderen. Fragt viel, hört zu, nehmt Feedback an, lernt von Pflegekräften, habt Spaß bei der Arbeit und bleibt menschlich. Und: Niemand kann alles, aber gemeinsam kommt man manchmal sehr nah dran.

Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?

Prof. Dr. Florian Hoffmann: Es ist das größte Glück im Leben, wenn der Beruf auch gleichzeitig ein Hobby ist. Mein enger und freundschaftlicher Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen der verschiedensten Fachrichtungen gibt mir Motivation. Das Allerwichtigste aber ist Zeit mit der Familie und das Pflegen von Freundschaften. Das gibt furchtbar viel Energie! Ich arbeite also nicht nur ausschließlich, sondern fahre auch Ski, setze mich aufs Fahrrad oder gehe mit dem Hund spazieren. Dabei kommen mir dann manchmal auch neue Ideen für meine Patienten. Ich muss mich nicht klar abgrenzen.

Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?

Prof. Dr. Florian Hoffmann: Es mangelt an Zeit, Personal und Digitalisierung, die den Alltag erleichtern wird. Oft fehlt es auch an Wertschätzung für diejenigen, die im System arbeiten und an politischem Mut, Dinge grundlegend zu verändern. Und es mangelt an Gerechtigkeit. Im aktuellen System werden viele Ressourcen für Eingriffe eingesetzt, die ökonomisch Sinn machen, aber nicht immer für die Patienten. Kranke Kinder brauchen aber viel Personal und Fürsorge. Das kostet Geld und macht die finanzielle Situation von Kinderkliniken so prekär.

Wann sind Sie glücklich?

Prof. Dr. Florian Hoffmann: Wenn ich das Gefühl habe, dass wir gemeinsam als Team etwas Gutes bewegt haben. Es gibt nichts Schöneres als Teamwork. Auch bin ich glücklich, wenn ich Zeit mit meiner Familie, meinem Hund Flitzi und meinen Freunden verbringen darf – und natürlich, wenn der FC Bayern gewonnen hat!

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