Sprache in Stellenanzeigen: Frauen werden oft ausgeschlossen

30 August, 2023 - 07:31
Miriam Mirza
Stellenanzeige, Karriere, Symbolbild

Die Macht der Sprache, sie wird häufig unterschätzt. Wer in Stellenausschreibungen bestimmte Gruppen sprachlich exkludiert, muss in der Folge mit weniger Bewerbungen rechnen. Was sind die Stolperfallen und wie kann man sie umgehen? Das klären wir im Beitrag.

Bereits im Jahr 2016 stellte eine Studie der TU Dresden fest, dass zahlreiche Anzeigen, wenn auch unbeabsichtigt, aufgrund der gewählten Sprache hauptsächlich Männer ansprechen. „Es ist erstaunlich, dass in der Praxis die Wirkung von Stellenanzeigen kaum bekannt ist und sich die Forschung erst seit Kurzem diesem wichtigen Thema widmet. Während im Marketingbereich jeder Slogan und jedes einzelne Wort einer Werbeanzeige hinsichtlich seiner Wirkung und Botschaft bewusst ausgewählt wird, lassen Stellenanzeigen eine solche Sorgfalt oft vermissen“, hieß es in der Studienbeschreibung.

Seit damals scheint sich wenig getan zu haben. Untersuchungen aus den USA zeigen, dass immer noch 70 Prozent aller Ausschreibungen in traditioneller, abschreckender Art formuliert werden. In den MINT-Bereichen (Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Technik) betrug der Anteil sogar 92 Prozent.

Arbeitgeber müssen mehr tun

Unternehmen geben häufig an, dass sich größtenteils Männer auf Stellenausschreibungen bewerben. Das Ungleichgewicht vergrößert sich sogar noch, wenn es um Führungspositionen geht. Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Satz „Wir würden ja Frauen nehmen, aber es bewerben sich einfach keine“. Doch das ist zu kurz gegriffen und die Arbeitgeber machen es sich zu einfach, denn sie können und sollten mehr tun, um wirklich alle Menschen anzusprechen, die für den jeweiligen Job infrage kommen. In Zeiten des immer drängender werdenden Fachkräftemangels können sie es sich schlicht nicht leisten, nicht alle Hebel in Bewegung zu setzen, um an gutes Personal zu kommen. Angesichts der Tatsache, dass es inzwischen mehr Ärztinnen als Ärzte gibt, sollten sich Krankenhäuser ganz besonders darum bemühen, weibliche Jobsuchende anzusprechen und für sich zu gewinnen.

Wer weibliche Jobsuchende ansprechen will, sollte sich zunächst klarmachen, welche Informationen sich diese bei einer Stellenausschreibung wünschen. So sind viele Bewerberinnen an Informationen zu flexiblen Arbeitszeiten und -modellen, Angabe von Gehältern oder von Benefits wie Kinderbetreuung etc. interessiert.

Inklusive Sprache verwenden und Wortwahl beachten

Doch die Bedürfnisse der Zielgruppe zu kennen, reicht nicht. Nicht selten gehen die Probleme bei der Ansprache der passenden Bewerberinnen und Bewerbern los. Ein Anfang ist, inklusive Sprache zu verwenden. Sie trägt generell dazu bei, eine diskriminierungsfreie und vielfältige Arbeitsumgebung zu fördern. Außerdem hilft sie, Barrieren abzubauen und potenzielle Bewerberinnen und Bewerber anzusprechen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Alters oder anderen persönlichen Merkmalen.

Auch die genaue Wortwahl ist entscheidend, denn Frauen interpretieren Wörter oft ganz anders als Männer. Das haben amerikanische Studien gezeigt. Grund dafür ist unsere Gesellschaft, die ein wettbewerbsorientiertes Verhalten bei Jungen und und ein kooperatives Verhalten bei Mädchen fördert. Die Folge: Diese Werte werden verinnerlicht und Wörter, die im Zusammenhang mit einem kompetitiven Umfeld verwendet werden, wirken auf weibliche Talente eher abschreckend. Begriffe wie „herausfordernd“, „individuell“ oder „selbständig“ werden demnach eher männlich Bewerber ansprechen, während etwa „engagiert“, „zuverlässig“ oder „verantwortungsvoll“ laut Untersuchungen auf weibliche Jobsuchende wirken.

Bei der Verwendung inklusiver Sprache geht es nicht nur um die Nutzung genderneutraler Begriffe, sie vermeidet auch abschreckende Wörter und Formulierungen. Vielmehr sucht sie nach Wörtern, Formulierungen und Wortkombinationen, die die ganze Tonalität eines Textes wählt, dass sich alle Menschen angesprochen und einbezogen fühlen.

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Fazit

Vielen Personalverantwortlichen ist gar nicht bewusst, dass sie ganze Bewerbergruppen ausschließen. Doch inzwischen gibt es digitale Tools, die bei der Erstellung von Stellenausschreibungen feststellen können, ob Stellenanzeigen einen männlichen oder weiblichen Unterton haben und alternative Formulierungen vorschlagen.

Warum ist inklusive Sprache in Stellenanzeigen wichtig?

  1. Gleichberechtigung und Diversität: Inklusive Sprache ermöglicht es, alle Geschlechter und Identitäten anzusprechen und somit sicherzustellen, dass alle potenziellen Bewerberinnen und Bewerber sich gleichermaßen angesprochen fühlen. Dies fördert eine vielfältige und integrative Belegschaft.
     
  2. Vermeidung von Diskriminierung: Traditionelle Stellenanzeigen können bewusst oder unbewusst Geschlechtsstereotypen oder andere diskriminierende Formulierungen enthalten. Inklusive Sprache hilft, solche Vorurteile zu vermeiden und eine diskriminierungsfreie Rekrutierung zu unterstützen.
     
  3. Repräsentation: Indem man eine breite Palette von Sprachoptionen verwendet, kann man sicherstellen, dass sich verschiedene Kandidatinnen und Kandidaten besser repräsentiert fühlen. Dies kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Bewerberinnen und Bewerber aus unterschiedlichen Hintergründen sich auf die Stelle bewerben.
     
  4. Verbesserte Unternehmenskultur: Inklusive Sprache signalisiert potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass das Unternehmen eine inklusive Kultur fördert, und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter respektiert.
     
  5. Wettbewerbsvorteil: Unternehmen, die aktiv inklusive Sprache nutzen und ihre Arbeitsplatzkultur fördern, können als attraktive Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber angesehen werden. Das kann dazu führen, dass sie talentierte Fachkräfte anziehen und langfristig an das Unternehmen binden.
     
  6. Erfüllung rechtlicher Anforderungen: In einigen Ländern und Regionen gibt es gesetzliche Vorschriften zur Verwendung von geschlechtsneutraler Sprache in Stellenanzeigen, um Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung zu gewährleisten.

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