
Ob beim Einstieg in ein neues Team oder bei schwierigen Entscheidungen: Viele tun sich schwer, andere um Rat zu bitten. Oft steckt die Sorge dahinter, das Gegenüber zu stören oder ihm zur Last zu fallen. Aus diesem Grund verzichten manche auf hilfreiche Tipps und Kontakte. Doch wer erfährt, dass auch das Gegenüber vom Austausch profitiert, holt sich viel häufiger Unterstützung. Langfristig nutzt dieses Wissen auch Arbeitgebern. Zumindest ergab das eine Studie des Exzellenzclusters Econtribute, der von den Universitäten in Köln und Bonn getragen wird.
Das Team um Prof. Dr. Anne Burmeister von der Universität zu Köln untersuchte in zwei kontrollierten Feldexperimenten mit Arbeitssuchenden sowie vier Onlineexperimente mit Berufstätigen aus verschiedenen Branchen, ob sich das Verhalten von Ratsuchenden ändert, wenn sie auf die Vorteile für das Gegenüber hingewiesen werden.
Wichtigstes Ergebnis: Wer erkennt, dass auch Ratgebende von einem Gespräch profitieren, weil sie sich wertgeschätzt fühlen und selbst neue Erkenntnisse gewinnen, fragt deutlich öfter nach. So stieg die Zahl der Teilnehmenden, die Kontakt aufnahmen und andere um Rat baten, um fast 40 Prozent. Dabei blieb die Qualität der erhaltenen Ratschläge unverändert hoch. Besonders stark war der Effekt, wenn sich die Ratsuchenden an Unbekannte und Menschen mit höherem Status wandten.
„Das Wissen um die Vorteile für Ratgebende ist ein wirksames Mittel, die eigenen Ängste, anderen zur Last zu fallen, zu überwinden und professionelle Chancen zum Netzwerken häufiger zu nutzen“, sagte Burmeister. Jede und jeder Einzelne könne so die eigenen Netzwerke stärken und persönliche Entwicklungschancen besser nutzen. Auch Unternehmen könnten die neuen Erkenntnisse gezielt nutzen, etwa bei der Einarbeitung neuer Mitarbeitender oder um den Wissensaustausch über Hierarchie- und Abteilungsgrenzen hinweg zu fördern. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Academy of Management Journal“ erschienen (DOI: 10.5465/amj.2024.0635).
Dtsch Arztebl 2026; 123(19): [4]



