
Mit einer gesunden Führung leisten Krankenhäuser einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung von Versorgungsqualität, Arbeitsfähigkeit und Mitarbeiterbindung. Wenn Gesundheit als Führungsaufgabe verstanden wird, entsteht eine zukunftsfähige Arbeitskultur – zum Nutzen aller Beteiligten.
Gesunde Führung ist eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Leistungsfähigkeit und langfristige Zufriedenheit. Führungskräfte beeinflussen maßgeblich, wie die Beschäftigten Arbeit erleben – als sinnstiftend, gestaltbar und gesund oder als dauerhaft belastend. Gesundes Führen verbindet Leistungsorientierung mit Fürsorge und schafft Bedingungen, die langfristige Arbeitsfähigkeit sichern.
Gesundheit als strategischer Erfolgsfaktor
Aus Unternehmenssicht ist gesundes Führen wesentlicher Bestandteil nachhaltiger Wertschöpfung. Die Gesundheit der Beschäftigten wirkt sich unmittelbar auf Produktivität, Innovationsfähigkeit, Arbeitgeberattraktivität und die Bindung von Fach- und Führungskräften aus. Einseitig leistungsorientierte Belastungssituationen, die gesundheitliche Aspekte unzureichend berücksichtigen, führen langfristig zu erhöhten Fehlzeiten, Fluktuation und dem Verlust von Know-how.
Im Krankenhaus zeigen sich diese Zusammenhänge in besonderer Weise. Fachkräfteengpässe, kurzfristige Personalausfälle und nicht planbare Arbeitsspitzen führen zu hohen Belastungen für die Beschäftigten. Eine hohe Arbeitsdichte, große Verantwortung und Entscheidungen unter Zeitdruck kennzeichnen den Arbeitsalltag vieler im ärztlichen Dienst, in der Pflege und den Funktionsbereichen. Unter diesen Bedingungen gewinnt gesunde Führung an Bedeutung, da Führungskräfte maßgeblich dazu beitragen können, Belastungen abzufedern, Prioritäten transparent zu gestalten und Handlungsspielräume trotz struktureller Einschränkungen zu eröffnen.
BGM: Gesundheit systematisch gestalten
Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) ist der strukturelle Rahmen, Gesundheit systematisch zu gestalten. Entscheidend ist, die Maßnahmen mit der Arbeitsgestaltung, Prävention und Unternehmenskultur zu verzahnen. Seine Wirksamkeit entfaltet BGM, wenn gesundheitsbezogene Aspekte fest im Führungsalltag verankert sind, etwa in Zielvereinbarungen, Mitarbeitergesprächen oder der Dienst- und Einsatzplanung.
Führungskräfte nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein. Als Schnittstelle zwischen Unternehmensstrategie und täglicher Arbeitspraxis übersetzen sie Ziele, Werte und Gesundheitsangebote in konkretes Handeln. Führungsverhalten entfaltet seine Wirkung durch Vorbildfunktion. Mitarbeitende orientieren sich weniger an formalen Vorgaben als an dem gelebten Umgang von Führungskräften mit Arbeitsbelastungen, Pausen, Erreichbarkeit und der eigenen Gesundheit. Entscheidend ist, dass kommunizierte Erwartungen und das tägliche Führungshandeln übereinstimmen. Wenn Führungskräfte gesundheitsbewusstes Verhalten konsequent vorleben, etwa durch realistische Erreichbarkeitsregeln, das Einhalten von Pausen und einen reflektierten Umgang mit Überstunden, entsteht Glaubwürdigkeit. Authentizität fördert Vertrauen und Akzeptanz und stärkt nachhaltig die Wirksamkeit gesundheitsbezogener Botschaften.
Gesundheitsgerechte Gestaltung von Arbeit
Ein zentrales Element gesunder Führung ist die gesundheitsgerechte Gestaltung von Arbeit. Ein ausgewogenes Verhältnis von Anforderungen und Ressourcen ist die Grundlage. Klare Zuständigkeiten, realistische Zielsetzungen, transparente Prioritäten und angemessene Handlungs- und Entscheidungsspielräume reduzieren Überforderung und fördern Selbstwirksamkeit, Motivation und Engagement.
Gerade im Krankenhaus ist Arbeitsgestaltung oft von externen Faktoren begrenzt, etwa Notfallaufkommen, gesetzliche Vorgaben oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Umso wichtiger sind klare Absprachen, transparente Dienst- und Einsatzplanung, verlässliche Kommunikationsstrukturen und ein bewusster Umgang mit kurzfristigen Umplanungen. Führungskräfte tragen mit realistischen Erwartungshaltungen, frühzeitiger Einbindung der Teams und eine offene Fehler- und Belastungskultur dazu bei, psychische und physische Überlastung zu reduzieren. Hilfreich ist, gemeinsam mit den Teams zu klären, was „gute Arbeit unter schwierigen Bedingungen“ konkret bedeutet und welche Prioritäten im Alltag gelten.
Gesunde Führung bedeutet, Bedingungen zu schaffen, die Mitarbeitende befähigen, Verantwortung für ihre eigene Gesundheit zu übernehmen. Dialog, Reflexion und Orientierung stehen im Vordergrund, nicht Belehrung. Praktisch heißt das: Raum für Rückmeldungen zu Belastungen schaffen, Entwicklungsgespräche auch zur Arbeitsfähigkeit führen, flexible Lösungen prüfen und Unterstützungsangebote wie Supervision, Coaching oder psychosoziale Beratung niedrigschwellig zugänglich machen.
Wertschätzung als wirksamer Schutzfaktor
Aus Sicht der Beschäftigten zeigt sich gesunde Führung vor allem im Arbeitsalltag. Sie erleben, ob Belastungen wahrgenommen werden, Unterstützung erreichbar ist und Leistung Anerkennung findet. Wertschätzung zählt zu den wirksamsten Schutzfaktoren für psychische Gesundheit. Oft entfalten ehrliche Aufmerksamkeit, konstruktives Feedback und ein respektvoller Umgang die größte Wirkung.
Ein gesundes Arbeitsumfeld entsteht, wenn Beschäftigte Belastungen offen ansprechen dürfen und Lösungen gemeinsam entwickelt werden. Regelmäßige Gespräche, transparente Entscheidungsprozesse und nachvollziehbare Prioritätensetzungen schaffen Sicherheit und Vertrauen. Beschäftigte fühlen sich ernst genommen und aktiv einbezogen, etwa beim Anpassen der Arbeitsorganisation, beim Einführen neuer Prozesse oder im Betrieblichen Eingliederungsmanagements. Gerade nach längeren Erkrankungen leisten vorausschauende, individuell abgestimmte Wiedereinstiegslösungen einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Arbeitsfähigkeit.
Mentale Gesundheit ist ein zentraler Bestandteil gesunder Führung und betrifft Teams ebenso wie Organisationen insgesamt. Führungskräfte, die zuhören, frühzeitig reagieren und Orientierung geben, gestalten aktiv ein Arbeitsumfeld, das psychische Gesundheit schützt und stärkt. Dazu gehört auch ein reflektierter Umgang mit Fehlern und kritischen Ereignissen, ein respektvoller Ton in angespannten Situationen und das Signal, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Dtsch Arztebl 2026; 123(6): [2]
Die Autorin:
Karin Burtscher
Leiterin Personalwesen
Klinikum Ingolstadt GmbH
85049 Ingolstadt



