Zusatz-Weiterbildung Balneologie und Medizinische Klimatologie: Dauer, Inhalte, Voraussetzungen

24 Mai, 2023 - 08:44
Bianca Freitag
Ärztin kontrolliert Bädertherapie eines Patienten

Bäder, Trinkkuren und Inhalationen sind bekannte Bestandteile der Kurortmedizin. Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatz-Bezeichnung „Balneologie und Medizinische Klimatologie“ beschäftigen sich mit den Auswirkungen von Klima sowie den verschiedenen Formen von Bädern und weiteren Therapien auf den menschlichen Organismus. Wie die Zusatz-Weiterbildung aufgebaut ist und welche Voraussetzungen es gibt, erfahren Sie im Beitrag.

Auf einen Blick: Zusatz-Weiterbildung Balneologie und Medizinische Klimatologie

  • Definition: Die Zusatz-Weiterbildung Balneologie und Medizinische Klimatologie umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die Anwendung balneologischer Heilmittel und therapeutischer Klimafaktoren in Prävention, Therapie und Rehabilitation.
  • Voraussetzungen: Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung
  • Dauer: 80 Stunden Kurs-Weiterbildung
  • Anzahl: In Deutschland sind 2.195 Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Balneologie und Medizinische Klimatologie“ bei den Kammern registriert. Von ihnen arbeiten 777 ambulant, 164 stationär und 656 sind niedergelassen.

Baden ist besonders im Sommer in Freibädern oder Seen eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Aber nicht nur Bäder verschiedenster Art und Weise, sondern auch natürliches Thermalwasser oder Aromatherapie-Bäder werden geschätzt. Die Balneologie, auch als Bäderkunde oder Bädertherapie bekannt, konzentriert sich auf den Gebrauch von natürlichen Heilquellen und Peloiden (Schlämme und Heilerden) zur therapeutischen Behandlung. Sie gehört zu den ältesten Heilverfahren und hat ihren Ursprung in der Antike. Die Ägypter, Römer und Griechen setzten bereits damals auf die heilenden Wirkungen von Thermalwasser und anderen Inhaltsstoffen von Badewasser.

18.03.2024, hausärztliche Gemeinschaftspraxis für Allgemein- und Innere Medizin drs. T. van Megen Dr I. Drage
Straelen

Mehr als nur Wasser

Balneologie ist eine Form der Bädertherapie, die sich auf die Heilung von körperlichen und geistigen Krankheiten durch das Baden in natürlichen Quellen oder Solebädern stützt. Die Behandlung wird in der Regel in einer Klinik oder einem Kurhotel durchgeführt und kann sowohl als Einzel- als auch als Gruppentherapie angewendet werden. Zu den typischen Krankheiten, die behandelt werden, gehören:

  • Durchblutungsstörungen, arterielle Verschlusskrankheit, Bluthochdruck, Polyneuropathie
  • Chronisches Rheuma
  • Verletzungen am Bewegungsapparat
  • Hautleiden (Neurodermitis, Akne, Ekzeme usw.)
  • Frauenleiden
  • Chronische Entzündungen des Verdauungstrakts und der harnableitenden Organe
  • Arthrose, Osteoporose, Haltungsanomalien
  • Atemwegserkrankungen

Vorwiegend nutzen Fachärzte und -ärztinnen mit der Zusatz-Bezeichnung Balneologie und medizinische Klimatologie Meer-, Thermal-, Mineralwasser und Wasser aus schwefelhaltigen Quellen für die Behandlung. Daneben finden auch Moor und Schlamm in der Therapie Anwendung. Die am häufigsten genutzten Stoffe sind Meer- und Kochsalz, Kohlensäure und Schwefel.

Es gibt verschiedene Arten von Bädertherapien:

  • Hydrotherapien stehen an erster Stelle bei der Verwendung von Wasser zur Behandlung. Es wird meist als Kaltwasseranwendung bezeichnet und beinhaltet die Verabreichung von Kaltwasser über den Körper des Patienten, um Schmerzen zu lindern und die Durchblutung zu verbessern.
  • Die Thermalschwimmbadtherapie nutzt heiße oder warme Temperaturbäder, um Muskelverspannungen und Gelenkschmerzen zu lindern.
  • Schlammbehandlungen werden normalerweise in speziellen Therapiebecken durchgeführt, in denen warmes Wasser mit mineralreichem Schlamm gemischt wird, um die Durchblutung zu verbessern und Schmerzen zu reduzieren.
  • Aromatherapie-Bäder beinhalten den Gebrauch ätherischer Öle für ihre beruhigende Wirkung auf den Körper und Geist des Patienten.

Neben Bädern gehören auch Trinkkuren und Inhalationen in das Fachgebiet der Balneologie. Die einzelnen Therapieansätzen, die Fachärztinnen und -ärzte mit der Zusatz-Bezeichnung Balneologie und Medizinische Klimatologie anwenden, umfassen beispielsweise

  • balneotherapeutische
  • hydrotherapeutische
  • thalassotherapeutische
  • klimatologische
  • bewegungstherapeutische
  • physikalische
  • entspannende
  • edukative
  • psychoedukative und
  • diätische Maßnahmen.

Klimawechsel für die Gesundheit

Im Bereich der Klimatherapie setzen Ärztinnen und Ärzte auf Klimaelemente wie Luft, Wind, Sonne und Regen, um die Leiden der Patientinnen und Patienten zu lindern. Dabei werden diese durch einen Klimawechsel – beispielsweise ans Meer oder in die Berge – anderen klimatischen Bedingungen ausgesetzt. Der Körper muss sich den geänderten Gegebenheiten anpassen, was sich positiv auf das Immunsystem auswirkt. In der Klimatherapie wird zwischen der Heliotherapie (dosierte Sonnenbäder), klimatischen Terrainkur (dosiertes Gehen) und der Frischluft-Liegetherapie unterschieden.

Fachärztinnen und -ärzte mit der Zusatz-Bezeichnung Balneologie und Medizinische Klimatologie können die Bezeichnung „Badearzt“ oder „Kurarzt“ führen, wenn sie in einem amtlich anerkannten Kurort tätig sind.
 


Balneologie und Medizinische Klimatologie: Die Zusatz-Weiterbildung im Überblick

Dauer der Weiterbildung

80 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß § 4 Abs. 8 in Balneologie und Medizinische Klimatologie

Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Balneologie und Medizinische Klimatologie

  • Definitionen und Begriffsbestimmungen einschließlich Qualitätsstandards

  • Balneologie in Prävention, Therapie und Rehabilitation

Wirkungsmechanismen

  • Grundlagen der Wirkungsmechanismen der Balneologie und Klimatherapie

  • Einflüsse des Wetters und des Klimas auf Gesundheit und Krankheit

Therapiemittel

  • Charakteristika, Wirkungen, Indikationen, Kontraindikationen und Evidenz von Therapiemitteln und Anwendungsformen der Balneologie
  • Charakteristika, Wirkungen, Indikationen, Kontraindikationen und Evidenz von Therapiemitteln und Anwendungsformen der medizinischen Klimatologie
  • Praktische Demonstration und/oder Selbsterfahrung bei der Anwendung von Therapiemitteln der Balneologie und medizinischen Klimatologie
  • Therapiekontrolle und Erfolgsbeurteilung

Indikationsstellung und Verordnungsweise

  • Indikationsstellung, Dosierung und Verordnungsweise balneologischer Therapiemittel und klimatologischer Wirkfaktoren einschließlich spezifischer Funktionsdiagnostik
  • Indikationsstellung bei spezifischen Krankheitsbildern unter Berücksichtigung von Kontraindikationen und von individuellen Reaktionsmustern

Kurorttherapeutische Konzepte

  • Definition der Kurorttherapie und spezielle Aufgaben des Badearztes
  • Grundlagen der Ernährungsmedizin
  • Verhaltenspräventive Aspekte
  • Auswahl und Indikationsstellung kurorttherapeutischer Konzepte

Quelle: Ärztestatistik der Bundesärztekammer 2022, Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2018, Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten

 

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