
Hitze- oder Kältereize, Bäder oder Inhalationen: Die Verfahren der physikalischen Therapie und Balneologie sind vielfältig. Wie die Zusatz-Weiterbildung für Ärztinnen und Ärzte abläuft und welche Voraussetzungen es dafür gibt, erfahren Sie im Beitrag.
Auf einen Blick: Zusatz-Weiterbildung Physikalische Therapie und Balneologie
- Definition: Die Zusatz-Weiterbildung Physikalische Therapie umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die Anwendung physikalischer Faktoren in Prävention, Therapie und Rehabilitation.
- Voraussetzungen: Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung
- Dauer: 12 Monate Physikalische Therapie unter Befugnis an Weiterbildungsstätten und zusätzlich 120 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß § 4 Abs. 8 in Physikalische Therapie
- Anzahl der Fachärzte: In Deutschland gibt es 6.201 Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Physikalische Therapie und Balneologie“ (2024). Davon sind 3.966 berufstätig. 1.993 arbeiten ambulant, 1.484 stationär in einer Klinik und 65 in Behörden, Körperschaften und ähnlichen Einrichtungen.
Patientinnen und Patienten mit akuten oder chronischen Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen wollen eines: ihre Lebensqualität und Mobilität wiederherstellen. Das kann mithilfe physikalischer Therapie erreicht werden. Hierunter fasst man verschiedene Therapiemaßnahmen, die physikalische Methoden als Grundlage haben. Dazu zählen beispielsweise Kälte- und Hitze- oder elektrische Reize.
Vielseitige Therapieverfahren und enge Zusammenarbeit
Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatz-Weiterbildung „Physikalische Therapie und Balneologie“ arbeiten eng mit Physiotherapeutinnen und -therapeuten zusammen, können aber auch selbst bei der direkten Patientenversorgung aktiv sein. Dabei können sie verschiedene Möglichkeiten der physikalischen Therapie nutzen:
- Balneotherapie (Bäder, Tinkturen, Inhalationen)
- Elektrotherapie (elektrische Reize)
- PUVA (Psorales und Ultraviolettlicht)
- Phototherapie (Behandlung mit kurzwelligem blauem Licht)
- Thermotherapie (Kälte- und Hitzereize)
- Hydrotherapie (Waschungen, Wickel, Kompressen, Bäder, Güsse, Sauna)
- Heliotherapie (Sonnenlichtbestrahlung)
Zusätzlich sind physiotherapeutische Methoden wie Massagen oder Krankengymnastik möglich, die besonders bei älteren Menschen ein zentraler Bestandteil der Versorgung sind.
Die physikalische Therapie gewinnt zusehends an Bedeutung, denn die Überlebenschancen nach schweren Unfällen oder schweren Erkrankungen steigen. Somit steigt auch der Bedarf an Ärztinnen und Ärzten mit dieser Zusatzbezeichnung, die Bewegungs- und Funktionseinschränkungen ihrer Patientinnen und Patienten lindern. Besonders für Medizinerinnern und Mediziner, die einen Facharzttitel in der Orthopädie, Unfallchirurgie oder Rheumatologie erworben haben, lohnt sich diese Zusatz-Weiterbildung. Denn so können sie ihre Patientinnen und Patienten längerfristig auf dem Weg zur Genesung begleiten.
Die Zusatz-Weiterbildung Physikalische Therapie und Balneologie im Überblick
Übergreifende Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Physikalische Therapie
- Wirkungsmechanismen der Physikalischen Therapie
- Einsatz von Physikalischer Therapie in Prävention,
- Therapie und Rehabilitation
- Grundlagen der Rehabilitation
- Heilmittelrichtlinie
Krankengymnastik und Bewegungstherapie
- Therapiemethoden, Therapiemittel, Anwendungsformen, Wirkungsmechanismen, Indikationen und Kontraindikationen der Krankengymnastik, Bewegungstherapie, medizinischer Trainingstherapie und manueller Therapie
- Indikationsstellung, Verordnung und Therapiekontrolle von Krankengymnastik und Bewegungstherapie, medizinischer Trainingstherapie und manueller Therapie
Hydrotherapie
- Therapiemethoden, Therapiemittel, Anwendungsformen, Wirkungsmechanismen, Indikationen und Kontraindikationen der Hydrotherapie
- Indikationsstellung, Verordnung und Therapiekontrolle von Hydrotherapie
Thermotherapie
- Therapiemethoden, Therapiemittel, Anwendungsformen, Wirkungsmechanismen, Indikationen und Kontraindikationen von Thermotherapie
- Indikationsstellung, Verordnung und Therapiekontrolle von Thermotherapie
Massage- und Entstauungstherapie
- Therapiemethoden, Therapiemittel, Anwendungsformen, Wirkungsmechanismen, Indikationen und Kontraindikationen von Massagen und Entstauungstherapie einschließlich Kompressionstechniken
- Indikationsstellung, Verordnung und Therapiekontrolle von Massagen und Entstauungstherapie
Elektrotherapie und Ultraschalltherapie
- Therapiemethoden, Therapiemittel, Anwendungsformen, Wirkungsmechanismen, Indikationen und Kontraindikationen von Elektrotherapie und Ultraschalltherapie
- Indikationsstellung, Verordnung und Therapiekontrolle von Elektrotherapie und Ultraschalltherapie
Ergotherapie
- Definition, Grundprinzipien, Techniken der Ergotherapie und deren Ziele
- Indikationsstellung, Verordnung und Therapiekontrolle von Ergotherapie
Weitere physikalische Therapieverfahren
- Therapiemethoden, Therapiemittel, Anwendungsformen, Wirkungsmechanismen, Indikationen und Kontraindikationen, z. B. mechanische Schwingungen, Phototherapie, Inhalationstherapie
- Indikationsstellung, Verordnung und Therapiekontrolle von weiteren physikalischen Therapieverfahren, z. B. mechanische Schwingungen, Phototherapie, Inhalationstherapie
Konzepte und klinische Anwendung
- Evidenz und Anwendung von physikalischer Therapie bei verschiedenen Krankheitsbildern, insbesondere
- Wechselwirkungen der Therapiemittel untereinander und mit anderen Therapieformen
- Dosierung der einzelnen Therapiemittel
- Dauer von Therapieserien
- Auswahl, Kontraindikationen und Indikationsstellung sowie Verordnungsweise von Therapiemitteln der physikalischen Therapie bei Krankheitsbildern aus verschiedenen klinischen Bereichen
Quellen: Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2018, Ärztestatistik der Bundesärztekammer 2024



