Zusatz-Weiterbildung Sportmedizin: Dauer, Inhalte, Voraussetzungen

6 Dezember, 2021 - 06:38
Stefanie Hanke
Medizinerin untersucht Sportlerin beim Belastungs-EKG

Welchen Einfluss haben Bewegung und Sport auf die Gesundheit? Dieser Frage gehen Sportmediziner und Sportmedizinerinnen nach. Sie versorgen außerdem sportlich aktive Menschen medizinisch – von der Jugend-Handballmannschaft zum Olympia-Team. Wie die Weiterbildung abläuft und welche Voraussetzungen es dafür gibt, erfahren Sie im Beitrag.

Auf einen Blick: Zusatz-Weiterbildung Sportmedizin

  • Definition: Die Sportmedizin befasst sich mit dem Einfluss von Bewegung und Training, aber auch mit Bewegungsmangel bei gesunden und kranken Menschen. Sportmedizinerinnen und Sportmediziner betreuen unter anderem Sporttreibende im Leistungs-, Breiten-, Rehabilitations- und Behindertensport.
  • Voraussetzungen: Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung.
  • Dauer: 240 Stunden Kurs-Weiterbildung in Sportmedizin. Die Kurs-Weiterbildung kann durch 6 Monate Weiterbildung an einem sportmedizinischen Institut ersetzt werden. Außerdem 120 Stunden sportärztliche Tätigkeit in einem Sportverein oder einer anderen vergleichbaren Einrichtung.
  • Anzahl der Ärzte: In Deutschland sind 17.592 Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung "Sportmedizin" bei den Kammern registriert (2021).

Im Profisport ist das Verletzungsrisiko manchmal hoch. Jeder kennt wohl Bilder beispielsweise von Fußballspielern, die nach einem üblen Foul medizinisch versorgt werden müssen. In der Regel entscheiden die Schiedsrichter, ob das medizinische Personal das Spielfeld betreten darf. Speziell im Fußball dürfen die Ärztinnen und Ärzte nur in zwei Situationen unaufgefordert aufs Spielfeld kommen: bei Verdacht auf plötzlichen Herzstillstand und bei akuten Kopfverletzungen.

Der Glamour-Faktor:  Medizin und Profisport

Sportmediziner speziell im Profisport werden in manchen Fällen selbst zu Berühmtheiten: So betreute der bekannte Sportmediziner Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit Unterbrechungen fast 40 Jahre lang den FC Bayern München, war von 1995 bis 2018 Arzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und unterstützte auch andere Spitzensportler, wie beispielsweise den Sprinter Usain Bolt bei ihren Höchstleistungen. Andere Sportärzte machen eher negative Schlagzeilen: Nach dem Doping-Skandal um den Radsportler Jan Ulrich wurde 2005 auch sein Sportarzt Eufemiano Fuentes Rodríguez mit vier Jahren Berufsverbot bestraft. Generell ist Doping in der Sportmedizin ein heikles Thema. Denn zu den Aufgaben der Ärztinnen und Ärzte gehört es natürlich auch, die Leistungsfähigkeit der Sportlerinnen und Sportler zu steigern – nur eben im legalen Rahmen.

Wer eine bestimmte Mannschaft oder einen Einzelsportler betreut, begleitet die Athletinnen und Athleten im Trainings- und Wettkampfalltag und steht dabei im engen Austausch auch mit dem Trainer-Team oder den Physiotherapeuten. Dazu können auch viele Reisen gehören – beispielsweise zu Turnieren, vielleicht auch mal zu den Olympischen Spielen, Europa- oder Weltmeisterschaften in der jeweiligen Sportart.

Ärztinnen und Ärzte für den Breitensport...

Doch das ist natürlich eher die Ausnahme. Von den mehr als 17.000 Sportmedizinerinnen und Sportmedizinern in Deutschland praktizieren die meisten außerhalb des Rampenlichts: Sie arbeiten als Angestellte bei Vereinen und Verbänden, in Krankenhäusern oder Rehabilitationskliniken oder lassen sich in einer eigenen Praxis nieder.

Schon in der Zusatz-Weiterbildung Sportmedizin ist es Pflicht, eine gewisse Zeit in einem Sportverein tätig zu sein und dabei Kinder, Jugendliche, Männer, Frauen, Senioren oder Menschen mit Behinderung zu betreuen. Dabei sind die Ärztinnen und Ärzte einerseits für sportbedingte Verletzungen zuständig – sie werden aber auch in die Ausarbeitung von Trainingsplänen einbezogen und unterstützen die Sportler und Sportlerinnen bei der Rehabilitation nach einer Verletzung.

Wer sich als Sportmediziner oder Sportmedizinerin niederlässt, bekommt es ebenfalls mit typischen Sportverletzungen zu tun. Dazu gehören beispielsweise der Tennisarm und der Tennisellenbogen, das Läufer-, Jumper- bzw. Fußballerknie, der Skidaumen, die Boxernase, das Ringerohr sowie Ermüdungsfrakturen an Knochen, die regelmäßig stark belastet werden.

...und für Bewegungsmuffel

Aber nicht nur die Betreuung sportlich aktiver Menschen fällt in den Bereich der Sportmedizin: So haben beispielsweise Sportmediziner der Uniklinik Ulm eine weltweite Allianz gegen Bewegungsmangel ins Leben gerufen. Zwar versuchen natürlich Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen, Bewegungsmuffel zu mehr körperlicher Aktivität zu motivieren – doch nach der Definition in der (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer wird das Thema "körperliche Inaktivität" konkret mit der Sportmedizin in Verbindung gebracht.

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Sportmediziner werden: Die Zusatz-Weiterbildung im Überblick

Dauer der Weiterbildung

  • 240 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß § 4 Abs. 8 in Sportmedizin. Die Kurs-Weiterbildung kann durch 6 Monate Weiterbildung an einem sportmedizinischen Institut unter Befugnis an Weiterbildungsstätten ersetzt werden.

und zusätzlich

  • 120 Stunden sportärztliche Tätigkeit in einem Sportverein oder einer anderen vergleichbaren Einrichtung

Inhalte der Weiterbildung

Grundlagen der Sportmedizin

  • Spezielle anatomische, physiologische, biochemische und pathophysiologische Grundlagen in Ruhe und unter akuter bzw. chronischer Belastung sowie deren Anpassungsreaktionen
  • Einfluss, Indikationen und Kontraindikationen von Bewegung und Sport auf verschiedene Erkrankungen
  • Überlastungen, Risiken und Gefährdungen bei körperlicher Aktivität und Sport sowie präventive bzw. kompensatorische Maßnahmen
  • Bewegungsspezifische Grundlagen, motorische Hauptbeanspruchungsformen, Fähigkeiten und Fertigkeiten
  • Sportartspezifische Techniken, Erscheinungsformen und Disziplinen der jeweiligen Sportarten und ihre sportmedizinische Relevanz
  • Bewegungs- und Trainingslehre sowie Sportdidaktik und Sportmethodik
  • Erfassung, Berücksichtigung, Einordnung und Bewertung akuter, chronischer und sportartspezifischer Belastungen aller beteiligter Organsysteme und deren Anpassungsreaktionen
  • Beratung und Betreuung zu präventiven, therapeutischen und rehabilitativen Bewegungsangeboten
  • Beurteilung von Rehabilitationsmaßnahmen und Belastbarkeit in den einzelnen Rekonvaleszenzphasen
  • Durchführung relevanter allgemeiner und sportartspezifischer Messmethoden und deren Bewertung, z. B. Spiroergometrie, Feldstufentest, Laktatabnahme/Laktatmessung

Spezifische sportmedizinische Aspekte

  • Besonderheiten von Geschlecht und Altersgang aller Organsysteme und Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit
  • Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit in Abhängigkeit von Lebensalter, Geschlecht und sportlicher Aktivität
  • Differenzierung zwischen entwicklungs-/altersbedingten, geschlechtsbezogenen Befunden (Altersinvolution/Trainingsmangel), Abweichungen von der Norm, Schwächen und Schäden der Organsysteme
  • Einfluss extremer Umweltbedingungen und Umweltbelastungen auf die körperliche Leistungsfähigkeit
  • Besonderheiten von Impfungen im Zusammenhang mit körperlicher Aktivität und Sport
  • Sportartspezifische Erste-Hilfe-Maßnahmen

Sportmedizinische Aspekte bei Erkrankungen

  • Sportartspezifische Techniken von Sportarten für Menschen mit Behinderungen in ihren Erscheinungsformen und Disziplinen und ihre sportmedizinische Relevanz
  • Betreuung von Menschen mit Behinderungen im Kontext körperlicher Aktivität und Sport
  • Sportartspezifische Techniken von Sportarten für Menschen mit chronischen Erkrankungen in ihren Erscheinungsformen und Disziplinen und ihre sportmedizinische Relevanz
  • Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei chronischen Erkrankungen
  • Beratung und Betreuung von Personen mit funktionellen Beeinträchtigungen, Schäden und chronischen Krankheiten im Kontext körperlicher Aktivität und Sport
  • Einfluss medikamentöser und physikalischer Therapie auf körperliche Aktivität und Sport

Ethische und rechtliche Aspekte der Sportmedizin und des Sports

  • Ethik sowie (Haft-, Standes-)Recht in der (Sport-)Medizin und im Sport
  • Strukturen und Organisation(en) des Sports und der Sportmedizin unter gesundheitlicher und gesellschaftlicher Perspektive

Ernährung, Pharmaka, Dopingproblematik

  • Grundlagen der Sporternährung (Makro-, Mikronährstoffe, Flüssigkeitsbedarf) unter Berücksichtigung verschiedener Leistungsklassen
  • Beratung und Bewertung von sportgerechter Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln sowie mögliche Substitution
  • Management und Bewertung erforderlicher Medikamenteneinnahme einschließlich exogener Hormongaben, z. B. Kontrazeptiva
  • Medikamentenmissbrauch und Doping, rechtliche Grundlagen und Anti-Doping-Regularien sowie Nachweisverfahren
  • Anti-Doping-Management

Praktische sportärztliche Tätigkeit in Vereinen oder vergleichbaren Institutionen

  • Beratung und Betreuung von Kindern, Jugendlichen, Frauen, Männern, Menschen mit Behinderungen und Senioren in verschiedenen Gruppen, z. B. im Bereich Leistungs-, Breiten-, Rehabilitationssport (Richtzahl: 3)
  • Sportmedizinische Bewertung der Bewegungs- und Trainingslehre, der Sportdidaktik und Sportmethodik
  • Sportmedizinische Schulungsmaßnahmen von Übungsleitern

Quellen: Musterweiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer, Ärztestatistik der Bundesärztekammer 2021, Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP)

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